Dark Patterns im Shop:
fünf Muster, die man messen kann

Ein Timer, der beim Neuladen von vorn beginnt, ein vorangekreuztes Extra in der Kasse, „Nur noch 2 auf Lager“ ohne echten Bestand: Muster, die zum schnellen Kauf drängen, lassen sich von außen erkennen.

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Was wir messen und wo es geregelt ist

Ob ein Muster im Einzelfall unlauter ist, ist eine Rechtsfrage. Ob es da ist, ist eine Messung, und jede Lösung ist einfacher als die Frage.

AngabeFundstelle
Ablauf-Timer, der neu startet
Ein Countdown, der nach dem Neuladen wieder bei voller Zeit steht, endet nie. Anhang I nennt die falsche Behauptung, ein Angebot gelte nur sehr begrenzte Zeit, unter den Praktiken, die stets als unlauter gelten.
Anhang I Nr. 7 Richtlinie 2005/29/EG
Verknappung ohne Beleg
„Nur noch 2 Stück“ oder „15 Personen sehen sich das an“, ohne dass es aus echten Bestandsdaten kommt. Ob die Zahl stimmt, weiß nur der Händler; der Scan sieht, dass sie sich nicht prüfen lässt.
Anhang I Nr. 7 Richtlinie 2005/29/EG
Vorangekreuzte kostenpflichtige Extras
Versicherung, Geschenkverpackung oder Expressversand schon angehakt. Für Extrazahlungen braucht es die ausdrückliche Zustimmung; Voreinstellungen, die man abwählen muss, reichen nicht.
Art. 22 Richtlinie 2011/83/EU
Kosten, die erst in der Kasse auftauchen
Versand, Zahlungsgebühr oder Service-Pauschale erscheinen erst im letzten Schritt. Der Gesamtpreis samt Versand gehört vor den Bestellknopf, und die Versandkosten gehören schon zum Angebot.
Art. 6 Abs 1 Buchst. e und Art. 8 Abs 2 Richtlinie 2011/83/EU
Beschämender Ablehnen-Text
„Nein danke, ich zahle lieber den vollen Preis“ im Newsletter-Popup. Ein neutraler Text kostet nichts und nimmt dem Popup den Druck.
keine eigene EU-Vorschrift für Shops

Schritt für Schritt

  1. Timer

    Entfernen, oder an ein echtes Enddatum binden, das für jeden Besucher gleich ist und beim Neuladen weiterläuft. In Shopify und WooCommerce kommt der Timer fast immer aus einer App bzw. einem Plugin; dort das feste Datum einstellen oder die App entfernen.

  2. Bestandsanzeige

    Statt einer „Dringlichkeits“-App die Lagerbestandsanzeige des Shopsystems nutzen: Shopify zeigt den Bestand über das Theme, WooCommerce unter WooCommerce, Einstellungen, Produkte, Lager. Besucherzähler ohne echte Daten entfernen.

  3. Extras in der Kasse

    Jedes kostenpflichtige Häkchen standardmäßig leer lassen. Bei Versicherungs- oder Klimaschutz-Apps in den App-Einstellungen nach „vorausgewählt“ oder „default on“ suchen.

  4. Versandkosten

    Auf der Produktseite einen Hinweis „zzgl. Versand“ mit Link auf die Versandkosten, im Warenkorb die geschätzten Versandkosten. Zahlungsgebühren vermeiden oder ebenfalls vorab nennen.

  5. Popup-Texte

    „Nein, danke“ statt eines Satzes, der den Kunden schlecht dastehen lässt. Das ist im Popup-Werkzeug ein Textfeld.

Fragen

Sind Countdowns grundsätzlich verboten?

Nein. Ein Countdown zu einem echten Ende eines Angebots ist eine Information. Problematisch ist die falsche Behauptung, etwa ein Timer, der nie abläuft.

Gilt der Digital Services Act für meinen Shop?

Das Verbot manipulativer Gestaltung in Art. 25 des Digital Services Act gilt für Online-Plattformen, etwa Marktplätze, nicht für den eigenen Shop eines Händlers. Für Shops gelten die Richtlinien über unlautere Geschäftspraktiken und Verbraucherrechte.

Woher weiß der Scan, ob „Nur noch 2 Stück“ stimmt?

Er weiß es nicht. Er meldet die Aussage als nicht prüfbar, damit Sie nachsehen, ob sie aus echten Bestandsdaten kommt.

Was ein Scan davon zeigt

Er öffnet Startseite, Produktseiten und Kasse, lädt eine Seite mit Timer neu und vergleicht, liest Häkchen und Preise in der Kasse und die Texte in Popups. Jeder Fund steht mit Seite und Textausschnitt im Bericht, als Hinweis, nie als Urteil. Zum Kaufweg gehört auch der Bestellknopf.

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Stand: 11. Oktober 2026. Wir nennen die Fundstelle, damit Sie nachlesen können; eine Rechtsauskunft ist das nicht.